Muss ein Interview im Radio autorisiert werden?

Axel Buchholz, zusammen mit Walther von La Roche Herausgeber des Buch-Klassikers „Radio-Journalismus“ beantwortet diese Frage mit: „Gesagt ist gesagt.“ (S. 153, 9. Auflage) und meint damit eindeutig, dass eine Autorisierung nicht vorgenommen werden muss. Das ergibt sich aus der Situation eines Radio-Interviews. Ist das Interview live, stellt sich die Frage nach einer Autorisation gar nicht. Für aufgezeichnete Interviews gilt: In der Regeln ist der Interviewte darüber informiert, dass er für ein Radio ein Interview gibt und das dieses wohl veröffentlicht werden wird. Das deckt sich auch mit der Empfehlung vom Deutschen Presserat. Im Presse-Kodex steht unter dem Punkt 2 „Sorgfalt“, genauer 2.4: „Ein Wortlautinterview ist auf jeden Fall journalistisch korrekt, wenn es das Gesagte richtig wiedergibt.“ Und was ist ein Radio-Interview, wenn nicht ein „Wortlautinterview“ – freilich solange es durch audiotechnische Eingriffe nicht manipuliert wird.
Die Autorisierungsdebatte in Deutschland bei Interviews ist vor allem der Situation bei den Printmedien geschuldet. Hier werden Interviews bis zur Druckreife verändert. Niemand redet das gedruckte Wort. Deshalb werden Interviews vor der Veröffentlichung sprachlich geglättet, häufig gekürzt und zur Verbesserung der „Dramaturgie“ Fragen- und Antwort-Komplexe verschoben bzw. neu angeordnet. Dadurch kann der Sinn des Gesagten verändert werden. Dem Interviewten wird deshalb ein Miturheberrecht am Interview eingeräumt. Dass heißt das Urheberrecht ist der juristische Hebel zur Klage gegen eine Interview, wenn der Interviewte nicht mit dem Inhalt einverstanden ist. Aus dieser Situation hat sich die Praxis der Autorisierung von Interviews ergeben: Um Missverständnisse und (juristische) Konflikte zwischen Frager und Befragten zu vermeiden, wird dem Befragten das Interview in der Form vorgelegt, in der es letztendlich veröffentlicht werden soll. Der Interviewte hat damit das letzte Wort und der Interviewer hat sich abgesichert. Wer mehr über die Autorisierung und dem kritischen Umgang damit erfahren möchte, sollte die Leitlinien für die Interview-Autorisierung des Deutschen Journalisten Verbandes (DJV) lesen (das Pdf findet sich hier).